Warum ein Relaunch ein SEO-Projekt ist, kein Design-Projekt
Die häufigste Fehlannahme rund um den Website-Relaunch: er sei in erster Linie eine Optik-Frage. Tatsächlich ist Design der sichtbarste, aber selten der entscheidende Teil. Was wirklich über Erfolg oder Misserfolg entscheidet, ist die Frage, ob die neue Site nach dem Launch dieselbe Sichtbarkeit hat wie die alte. Wenn nicht, verlieren Sie über Nacht einen großen Teil des organischen Traffics, den die alte Site sich über Jahre erarbeitet hat. Dieser Traffic kommt nicht von alleine zurück. Aus diesem Grund ist mein erster Schritt vor jedem Relaunch nicht das Moodboard, sondern das Audit der Bestandssite.
Redirect-Mapping: das wichtigste Dokument im Projekt
Beim Relaunch ändern sich fast immer URLs, Title-Tags und Seitenstrukturen. Wenn Google die alten URLs aufruft und nichts findet, fallen Rankings binnen weniger Wochen ab. Die Lösung ist ein vollständiges Redirect-Mapping: jede alte URL bekommt eine 301-Weiterleitung auf die passende neue URL. Gelöschte Seiten werden auf die thematisch nächste Seite geleitet, nicht auf die Startseite und nicht ins 404. Dieses Mapping entsteht vor dem Launch, wird sauber dokumentiert und nach dem Launch in der Search Console überwacht. Wenn dieses Dokument fehlt oder unvollständig ist, wird der Relaunch zur Sichtbarkeits-Falle.
Content-Audit: weniger ist nachhaltig mehr
Ein zweiter Pflichtschritt im Relaunch ist der Content-Audit. Nicht jeder Inhalt der alten Site verdient den Umzug. In Mandaten zeigt sich immer wieder: ein erheblicher Teil der Bestandsseiten hat keinen messbaren Traffic, keinen Conversion-Beitrag und kein aktuelles Ranking. Sie wandern beim Relaunch in der Regel ungeprüft mit, weil niemand klare Kriterien angelegt hat. Mein Vorgehen: Sistrix, Search Console und Analytics werden ausgewertet, jede Seite bekommt einen Status (behalten, konsolidieren, löschen plus Redirect). Die neue Site startet mit der halben Seitenzahl und doppelter Klarheit. Google honoriert das, weil das Crawl-Budget auf die wirklich tragfähigen Inhalte konzentriert wird.
Performance beim Relaunch: warum Mobile-LCP nicht verhandelbar ist
Beim Relaunch besteht die Versuchung, ein modernes Theme aus dem Marketplace zu kaufen, mit Page-Builder zu personalisieren und live zu schalten. Das Ergebnis ist optisch oft beeindruckend und technisch eine Belastung: drei bis fünf Sekunden Mobile-LCP, Lighthouse-Score im roten Bereich, Core Web Vitals reißen ab. Google bewertet das direkt, und Conversion-Rate aus bezahltem Traffic bricht weg. Mein Anspruch beim Relaunch ist immer derselbe: Mobile-LCP unter 2,5 Sekunden, Lighthouse-Mobile-Score grün, kein nachgeladenes JavaScript für die Above-the-Fold-Sektion. Bilder werden als WebP und AVIF ausgespielt, Hero-Bild bekommt Preload, Schriften werden lokal eingebunden statt über Google-Fonts-CDN. Page-Builder mit drei MB Last kommen nicht zum Einsatz.
Tracking-Setup neu aufbauen, nicht kopieren
Beim Relaunch wird das alte Tracking-Setup häufig 1:1 in die neue Site geschoben. Das ist riskant. Conversion-Tags zeigen auf alte Element-IDs, GA4-Events feuern auf nicht mehr existierende Selektoren, Cookie-Banner-Integrationen passen nicht zur neuen Seitenstruktur. Mein Vorgehen: das alte Setup wird auditiert, dann sauber neu aufgebaut. GA4 mit Conversion-Events, Google-Ads-Conversion mit korrektem Wert-Mapping, Meta-Pixel oder LinkedIn-Insight-Tag falls relevant, alles consent-konform über den Cookie-Banner. Vor Go-Live wird jede Conversion-Strecke einmal durchgespielt, damit nichts ins Leere fällt.
CMS-Migration: vom Altsystem auf WordPress
Viele Relaunches fallen mit einem Plattformwechsel zusammen: TYPO3 auf WordPress, Drupal auf WordPress, Joomla auf WordPress oder Wechsel von einem proprietären Baukasten. Hier zählt strukturierte Übernahme. Bei ähnlichen Datenmodellen laufen Migrations-Skripte über die REST-API der Quell-Systeme, mit Logging und Fehlerbehandlung. Bei stark abweichenden Systemen wird manuell migriert, oft kombiniert mit dem Content-Audit. Bilder werden parallel neu aufbereitet (WebP, AVIF, korrekte Größen für die neue Seitenstruktur). Wer beim Relaunch parallel das CMS wechselt, sollte einen Dienstleister haben, der den alten Stack lesen kann, nicht nur den neuen.
Staging, QA und Go-Live-Begleitung
Vor dem Go-Live läuft eine vollständige Pre-Launch-Checkliste: Staging-Umgebung mit Passwort-Schutz und noindex (damit Google die Test-Site nicht indexiert), alle Redirects auf einer Liste, Tracking auf jeder Conversion-Strecke geprüft, Backups vom alten Stand gesichert. Der Go-Live findet in einem klar definierten Zeitfenster statt, typischerweise dienstags vormittags, damit bei einem Problem die ganze Woche zur Reaktion bleibt. In den ersten 48 Stunden läuft engmaschiges Monitoring: Indexierung in der Search Console, 404-Logs, Tracking-Fluss, erste Conversion-Strecken. Wenn etwas hakt, klingelt das Handy.
Nach dem Launch: vier Wochen Sichtbarkeits-Monitoring
Ein Relaunch ist nicht am Go-Live-Tag fertig. In den ersten vier Wochen läuft wöchentliches Sichtbarkeits-Monitoring: Sistrix-Verlauf gegen den Stand vor dem Launch, GSC-Indexierungs-Status, Lage der Hauptseiten in der Top-50, Conversion-Rate gegen Bestandswerte. Kleine Ranking-Schwankungen sind normal, größere Einbrüche müssen analysiert und nachjustiert werden. Häufige Nachjusten: vergessene Redirects, Title-Tags die im Migrations-Prozess verloren gingen, defekte interne Links, fehlerhafte Hreflang-Tags bei Mehrsprachen-Sites. Wenn nach vier Wochen die Sichtbarkeit stabil ist, läuft die Übergabe in die Pflege.
Verwandte Themen
Ein Relaunch berührt fast immer mehrere Disziplinen. Wenn das WordPress-System selbst Custom-Themes, Plugins oder Performance-Sanierung braucht, greift WordPress Freelancer. Wer parallel zum Relaunch eine eigene Conversion-Page für Google Ads oder Meta Ads aufsetzt, findet die Details auf Landingpage erstellen lassen. Für die SEO-Seite des Projekts passt SEO Freelancer, für einen ersten Blick auf den Ist-Zustand der Site lohnt sich der kostenlose SEO-Audit. Bei Online-Shop-Relaunches mit Plattformwechsel greift Shopware Migration.