Warum der Vergleich mit Google Ads in die Irre führt
Der naheliegende Vergleich lautet: eine weitere Suchfläche, also im Grunde Google Ads an einem anderen Ort. Dieser Vergleich hält nicht. In der bezahlten Google-Suche steuern Sie über Suchbegriffe, Übereinstimmungstypen und Ausschlüsse. Sie sehen im Bericht, welche Anfrage tatsächlich zu einer Einblendung geführt hat, und arbeiten diese Liste nach. Genau dieser Regelkreis fehlt hier. An seiner Stelle steht ein Textfeld, in dem Sie die Themen und Gesprächssituationen beschreiben, zu denen Ihr Angebot passt. Die Zuordnung übernimmt das System, und die Oberfläche stellt ausdrücklich klar, dass daraus keine exakten Übereinstimmungen werden. Praktisch heißt das: weniger Kontrolle im Detail, dafür ein Aufwandsprofil, das eher an die Pflege von Zielgruppen-Signalen erinnert als an klassische Keyword-Arbeit.
Was das für die Steuerung bedeutet
Wenn Suchbegriffe als Stellschraube ausfallen, verschiebt sich das Gewicht auf drei andere Hebel. Erstens der Standort, und der ist feiner als erwartet: Die Auswahl reicht bis auf einzelne Postleitzahlen, Ein- und Ausschluss sind getrennt bedienbar. Zweitens die Plattform, also ob die Anzeige in der App oder im Browser erscheint, auf Mobilgeräten oder am Schreibtisch. Drittens die Formulierung der Kontexthinweise selbst, die damit von einem Nebenfeld zur eigentlichen Steuerungsarbeit wird. Was in Deutschland dagegen ausfällt, sind benutzerdefinierte Zielgruppen: Für Zielregionen im EWR und in der Schweiz sind sie nicht verfügbar, weil dort keine personalisierten Anzeigen ausgespielt werden. Für Unternehmen mit strengen Datenschutzanforderungen nimmt das eine Diskussion vorweg, die bei anderen Werbenetzwerken regelmäßig geführt werden muss.
Ein Beispiel, damit der Unterschied greifbar wird
Angenommen, ein Betrieb saniert Flachdächer für Gewerbeimmobilien. In Google Ads buchen Sie dafür Suchbegriffe wie „flachdach sanieren" und schließen aus, was Sie nicht wollen, etwa „gehalt" oder „ausbildung". Sie sehen im Bericht, welche Anfrage tatsächlich zu einer Einblendung geführt hat, und arbeiten diese Liste nach.
In ChatGPT Ads gibt es dieses Feld nicht. An seiner Stelle steht ein Textfeld, in das ein Satz wie dieser gehört: „Gespräche über undichte Flachdächer, Sturmschäden und die Frage, ob sich eine Sanierung noch lohnt, bei Eigentümern und Verwaltern von Gewerbeimmobilien.“ Was daraus wird, entscheidet das System. Sie können es beschreiben, aber nicht abgrenzen. Wer das gewohnte Nacharbeiten der Suchbegriffsliste erwartet, findet hier nichts zum Nacharbeiten.
Ähnlich knapp wird es beim Text. Der Titel fasst 50 Zeichen. „Flachdach undicht? Prüfung in 48 Stunden" braucht davon 40, viel Luft bleibt also nicht. Für die Beschreibung bleiben nach unserer Sichtung praktisch rund 50 bis 60 Zeichen, bevor die Vorschau abschneidet. Ein erklärungsbedürftiges Angebot passt dort nicht hinein, deshalb trägt die Landingpage dahinter mehr Gewicht als der Anzeigentext selbst.
Google Ads und ChatGPT Ads nebeneinander
| Punkt | Google Ads | ChatGPT Ads |
|---|
| Steuerung | Suchbegriffe mit Übereinstimmungstypen | Themen als Fließtext, ohne exakte Übereinstimmung |
| Ausschlüsse | Negative Keywords | Nicht vorgesehen |
| Berichte zu Anfragen | Suchbegriffsbericht | Nicht vorhanden |
| Zielgruppen | Verfügbar | In Deutschland nicht verfügbar |
| Standort | Bis auf Ortsebene | Bis auf Postleitzahl, im Konto geprüft |
| Mindestbudget | Keines vorgegeben | 15 Euro je Tag |
| Gebotsstrategien | Ziel-CPA, Ziel-ROAS und weitere | Ergebnisse maximieren |
| Anzeigenformat | Mehrere, mit Erweiterungen | Eine Empfehlungskarte |
| Conversion-Messung | Eigenes Tracking im Konto | Über Parameter auf Ihrer Website |
Die Zeile zur Messung ist die folgenreichste. Ein eigenes Conversion-Tracking wie in Google Ads steht im Anzeigenmanager nicht zur Verfügung. Gemessen wird auf Ihrer Seite, über die Abfrageparameter an der Ziel-URL. Wer eine saubere Landingpage und eine funktionierende Webanalyse hat, kann den Kanal bewerten. Wer beides nicht hat, bekommt Klicks und keine Erkenntnis.
Format und Textlängen
Ausgespielt wird eine Empfehlungskarte: Bild, Absendername, eine Kennzeichnung als Anzeige, ein Titel und eine Beschreibung. Der Titel fasst 50 Zeichen, die Beschreibung nominell 100. Diese 100 sind allerdings mit Vorsicht zu genießen: In der Vorschau des Anzeigenmanagers bricht längerer Text ab, ohne dass die Zeichenzählung darauf hinweist. Wer hier auf Nummer sicher gehen will, bleibt deutlich darunter und kontrolliert das Ergebnis in der Vorschau. Bilder werden als PNG oder JPG erwartet, quadratisch und mit mindestens 256 Pixeln Kantenlänge. Das ist ein enger Rahmen, der eine klare Aussage erzwingt. Für Angebote, die Erklärung brauchen, ist die Landingpage dahinter deshalb wichtiger als der Anzeigentext selbst.
Messung ist der Teil, den man nicht überspringen darf
ChatGPT Ads ist nur so viel wert, wie sich über den Kanal sagen lässt. Die Anzeigengruppe kann Abfrageparameter an die Ziel-URL hängen, mit Platzhaltern für Kampagne, Anzeigengruppe, Anzeige und Konto. Ohne diese Parameter erscheint der Verkehr in Ihrer Analyse als Direktzugriff und lässt sich nicht mehr zuordnen. Das ist keine Feinheit für Fortgeschrittene, sondern die Voraussetzung dafür, den Kanal überhaupt bewerten zu können. Der zweite Teil der Messung liegt außerhalb des Werbekontos: Kosten je Klick sagen wenig, solange nicht klar ist, was auf der Landingpage passiert und wie viele Anfragen daraus entstehen. Wir vergleichen einen neuen Kanal deshalb immer gegen das, was bereits läuft, nicht gegen eine Erwartung.
Zwei Voreinstellungen, die man kennen sollte
Der Einrichtungsassistent legt beim ersten Durchlauf selbstständig Kampagne, Anzeigengruppe und Anzeige aus den Angaben zum Unternehmen an. Das ist bequem und hat zwei Haken. Der erste ist ein voreingestelltes Tagesbudget, das deutlich über dem liegt, was die meisten für einen ersten Test einplanen würden. Der zweite wiegt schwerer: eine standardmäßig aktive automatische Textanpassung. Sie erzeugt eigene Fassungen Ihrer Anzeigentitel und Beschreibungen, die laut Oberfläche ohne Ihre individuelle Prüfung oder Freigabe ausgespielt werden können. Wer Wert auf eine kontrollierte Außendarstellung legt, schaltet diese Funktion vor dem Start ab. Wer den Assistenten zügig durchklickt, übernimmt beides ungewollt.
Für wen ChatGPT Ads heute in Frage kommt, und für wen nicht
Gegen einen Einstieg sprechen drei Dinge. Erstens ein Budgetrahmen unterhalb von rund 450 Euro im Monat, denn darunter lässt der Kanal sich nicht betreiben. Zweitens ein Angebot, das eine feine Zielgruppen-Steuerung braucht, weil genau die in Deutschland nicht zur Verfügung steht. Drittens bestehende Kanäle, die noch Luft haben: Wenn in Ihren Google-Ads-Kampagnen noch offensichtliche Reserven liegen, ist deren Hebel größer und sicherer. Dafür spricht die Ausgangslage: Der Kanal ist neu, und wer früh eigene Zahlen hat, entscheidet später auf einer besseren Grundlage als jemand, der auf fremde Fallstudien wartet. Diese Abwägung führen wir im Erstgespräch anhand Ihrer Zahlen, nicht anhand allgemeiner Argumente.
Warum auf dieser Seite keine Erfolgszahlen stehen
Zu einem Werbeprodukt, das wenige Wochen alt ist, sind uns keine belastbaren Branchenwerte bekannt, und wir haben selbst noch keine. Wir nennen deshalb keine Klickpreise, Conversion-Raten oder Umsatzsteigerungen für einzelne Branchen. Für belastbare Werte ist der Kanal zu jung. Wir beschreiben deshalb, was der Anzeigenmanager zum ausgewiesenen Prüfdatum hergibt, und benennen offen, was wir nicht wissen. Sobald aus begleiteten Kampagnen eigene Daten vorliegen, stehen sie hier, mit Zeitraum und Rahmenbedingungen. Vorher nicht.